mit Klosterbier und Kirchsee vor der Haustür

Kloster Reutberg

Kloster, Klosterbier und Kirchsee: Reutberg verbindet über 400 Jahre Geschichte mit gutem Essen, einem schönen Biergarten und entspannter Moorsee-Idylle gleich ums Eck.

Kloster Reutberg

Es gibt Ausflugsziele, bei denen eigentlich schon die Lage genügt. Ein altes Kloster auf einer Anhöhe, davor Wiesen, in der Ferne die Berge – und nur wenige Minuten entfernt der Kirchsee.

Der Reutberg bei Sachsenkam gehört für uns genau zu diesen Orten.

Wir verbinden einen Besuch gerne mit dem Kirchsee. Mal gehen wir dort eine Runde spazieren, mal verbringen wir einfach etwas Zeit am Steg und genießen die Ruhe am Wasser. Anschließend fahren wir gerne noch hinauf zum Klosterbräustüberl. Das Essen schmeckt uns, die Preise empfinden wir als fair, und nach ein paar Stunden draußen lässt sich der Tag dort wunderbar ausklingen.

Wer sich ein wenig mit der Geschichte des Ortes beschäftigt, stellt schnell fest, dass hinter Kloster, Kirche und Bräustüberl weit mehr steckt als eine schöne Kulisse für einen Ausflug.

Die Geschichte beginnt vor über 400 Jahren – und erstaunlicherweise mit einer Reise nach Italien.

Eine Hochzeitsreise nach Loreto und eine Idee für Oberbayern

Am Anfang standen Johann Jakob von Papafava und seine Frau Anna. Das adelige Paar besuchte zu Beginn des 17. Jahrhunderts während einer Pilger- und Hochzeitsreise den italienischen Wallfahrtsort Loreto.

Dort befindet sich die berühmte Santa Casa, das Heilige Haus. Der Überlieferung zufolge soll es sich dabei um das Wohnhaus Mariens handeln, das auf wundersame Weise aus Nazareth nach Italien gelangt sei. Loreto entwickelte sich dadurch zu einem der bedeutendsten Marienwallfahrtsorte Europas.

Papafava und seine Frau waren offenbar so beeindruckt, dass sie etwas von dieser Tradition nach Oberbayern bringen wollten. Auf dem damals noch weitgehend unerschlossenen Reutberg ließen sie zu Beginn des 17. Jahrhunderts eine Loretokapelle errichten.

Und die Idee schlug überraschend schnell ein.

Schon kurz nach der Errichtung sollen an großen Marienfesten bis zu 2.000 Pilger auf den Reutberg gekommen sein.

Man muss sich vor Augen halten, was das bedeutete: keine Autos, keine ausgebauten Straßen und kein touristisches Ausflugsziel. Menschen machten sich zu Fuß auf den Weg zu einer kleinen Kapelle auf einem Hügel im Oberland.

Aus der Erinnerung eines Adelspaars an Loreto war innerhalb weniger Jahre ein Wallfahrtsort geworden.

Aus der Kapelle entsteht ein Frauenkloster

1618 wurde die Wallfahrtsstätte mit einem Frauenkloster verbunden.

Ursprünglich war lediglich Platz für sechs Schwestern vorgesehen. Schon bald lebten dort jedoch deutlich mehr Frauen. Reutberg gilt als das erste Kapuzinerinnenkloster Bayerns.

Einfach war das Leben dort keineswegs. Die Gemeinschaft musste sich wirtschaftlich behaupten und geriet schon wenige Jahre später in die Wirren des Dreißigjährigen Krieges. 1631 mussten die Schwestern zeitweise fliehen.

1651 schloss sich die Gemeinschaft schließlich den Franziskanerinnen an. Franziskaner übernahmen die geistliche Betreuung der Schwestern und unterhielten zeitweise sogar ein eigenes kleines Hospiz auf dem Reutberg.

So entstand eine ungewöhnliche klösterliche Gemeinschaft aus Frauenkonvent und franziskanischer Betreuung.

Die heutige Kirche entstand erst später

Die Kirche, die heute gemeinsam mit dem Kloster das Bild des Reutbergs prägt, stammt nicht aus den ersten Jahren der Wallfahrt.

Die heutige Kloster- und Wallfahrtskirche Mariä Verkündigung wurde zwischen 1733 und 1735 errichtet. Als Planer gilt der Tölzer Franziskanerbruder Gebhard Westermayr. Der markante Kirchturm kam 1760 hinzu.

Die ursprüngliche Loreto-Idee verschwand dabei keineswegs. Der Altarraum nimmt weiterhin Bezug auf das Heiligtum im italienischen Loreto. Die große barocke Kirche führte damit die Idee der kleinen ursprünglichen Kapelle in wesentlich größerer Form weiter.

Eine historische Apotheke hinter Klostermauern

Eine Besonderheit des Reutbergs sieht man bei einem normalen Besuch kaum.

Die Franziskanerinnen betrieben seit dem 17. Jahrhundert eine eigene Klosterapotheke.

Klöster waren über lange Zeit wichtige Zentren medizinischen Wissens. Heilpflanzen wurden angebaut, Salben und Tinkturen hergestellt und Arzneimittel aufbewahrt. Auf dem Reutberg blieb eine erstaunlich alte Apothekeneinrichtung erhalten. Sie gilt als eine der besonders ursprünglich erhaltenen historischen Klosterapotheken in Deutschland und ist normalerweise nicht öffentlich zugänglich.

Hinter den Mauern befindet sich also eine Art medizinische Zeitkapsel, von der man beim Besuch des Biergartens kaum etwas ahnt.

Dann kam die Säkularisation

1803 traf den Reutberg dasselbe Schicksal wie zahlreiche andere bayerische Klöster.

Im Zuge der Säkularisation wurden sowohl das Frauenkloster als auch das Franziskanerhospiz aufgehoben. Damit hätte die Geschichte des Reutbergs enden können. Die Gebäude blieben jedoch erhalten, und wenige Jahrzehnte später änderte sich die politische Haltung gegenüber den Klöstern wieder.

König Ludwig I. erlaubte 1835 die Wiedererrichtung des Klosters. Die Franziskanerinnen kehrten zurück – und übernahmen bald noch eine weitere Aufgabe.

Mehr als 120 Jahre Schule auf dem Reutberg

1837 eröffneten die Schwestern eine Mädchenschule. Damit war der Reutberg nicht nur Kloster und Wallfahrtsort, sondern über Generationen hinweg auch ein Bildungsort für Mädchen aus der Region. Die Schule bestand bis 1958. Mehr als 120 Jahre lang gingen also Kinder hier zur Schule – ein Teil der Reutberger Geschichte, an den man beim heutigen Blick auf Kirche, Kloster und Biergarten wahrscheinlich kaum denkt.

Schwester Fidelis Weiß und die mystische Seite des Reutbergs

Zu den bekanntesten Persönlichkeiten des Klosters zählt Schwester Fidelis Weiß.

Sie lebte Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts auf dem Reutberg und wurde nach ihrem Tod 1923 durch Berichte über ihre mystischen Erfahrungen bekannt. Bereits 1936 wurde ein Verfahren zu ihrer Seligsprechung eingeleitet. Ihr Grab auf dem Reutberg wird bis heute von Gläubigen besucht. Damit reicht die religiöse Bedeutung des Ortes weit über die ursprüngliche Loreto-Geschichte hinaus.

Und beinahe wäre die Klostergeschichte erneut zu Ende gewesen

Auch in jüngster Zeit war die Zukunft des Klosters keineswegs selbstverständlich.

Die Zahl der Franziskanerinnen war über Jahrzehnte immer weiter zurückgegangen. Zeitweise lebten nur noch zwei Schwestern auf dem Reutberg, und eine Auflösung der Gemeinschaft stand ernsthaft im Raum. 2025 gelang schließlich eine Neuordnung, durch die der Fortbestand des Klosters gesichert werden konnte. Fast gleichzeitig wurde auch die Klosterkirche umfassend renoviert. Im Juni 2025 wurde die Restaurierung mit einem Gottesdienst mit Kardinal Reinhard Marx offiziell abgeschlossen.

Dreißigjähriger Krieg, Säkularisation und zuletzt die Frage, ob es überhaupt noch einen Konvent geben würde – mehrfach stand der Reutberg vor tiefen Einschnitten. Und doch ging seine Geschichte weiter.

Wo ein Kloster ist, ist das Bier nicht weit

Zum Reutberg gehört natürlich auch eine ganz andere Tradition: das Bier.

Die Franziskanerinnen betrieben bereits seit 1677 eine eigene Brauerei. Bier war Lebensmittel, Einnahmequelle und Teil der klösterlichen Selbstversorgung.

1924 entstand aus dieser Brautradition eine Brauereigenossenschaft. Bauern und Bürger aus der Region schlossen sich zusammen, um den Fortbestand der Brauerei zu sichern. Damit gehört die Reutberger Brauerei bis heute zu den seltenen genossenschaftlich organisierten Brauereien Bayerns.

Auch sie musste um ihre Zukunft kämpfen. Ende der 1980er-Jahre stand sogar eine Auflösung der Genossenschaft im Raum, die jedoch verhindert werden konnte.

Wenn man heute ein Reutberger Bier trinkt, steckt deshalb weit mehr dahinter als ein hübsches Klosteretikett: eine jahrhundertelange Brautradition und eine regionale Genossenschaft, die für deren Fortbestand sorgte.

Das Klosterbräustüberl – für uns gehört es einfach dazu

Direkt beim Kloster liegt das Klosterbräustüberl Reutberg. Nach einer Runde am Kirchsee gehen wir gerne noch hinauf. Das Essen finden wir lecker, die Preise fair und die Kombination aus bayerischer Küche, Reutberger Bier und der Lage oberhalb der Landschaft passt einfach.

Im großen Biergarten unter den Kastanien lässt es sich an schönen Tagen wunderbar sitzen. Dazu kommt der Blick über die Landschaft Richtung Alpen.

Im Spätsommer kann die Natur allerdings auch hier etwas aufdringlicher werden: Mücken und vor allem Wespen interessieren sich manchmal mindestens genauso sehr für das, was auf dem Tisch steht, wie wir selbst. Das kann nerven – gehört für uns aber zu den kleinen Randerscheinungen eines Sommerabends auf dem Land. Wenn Essen, Aussicht und Atmosphäre stimmen, lässt sich damit leben.

Gerade diese Verbindung gefällt uns: Man kann sich mit vier Jahrhunderten Klostergeschichte beschäftigen und anschließend ganz unkompliziert bei einer Brotzeit oder einem warmen Essen im Biergarten sitzen.

Kloster und Wirtshaus wirken hier nicht wie Gegensätze. Sie gehören zur Geschichte desselben Ortes.

Der Kirchsee – Moor, Berge und dunkles Wasser

Für uns gehört zum Reutberg fast automatisch der Kirchsee. Er liegt nur wenige Minuten entfernt und ist landschaftlich noch einmal eine ganz andere Welt.

Der See ist ein natürlicher Moorsee, entstanden in der Landschaft, die die letzte Eiszeit vor rund 20.000 Jahren geformt hat. Rund um den Kirchsee erstreckt sich das Ellbach- und Kirchseemoor.

Das Wasser wirkt dunkelbraun – allerdings nicht, weil es verschmutzt wäre. Verantwortlich sind sogenannte Huminstoffe, die aus dem Moor ins Wasser gelangen. Typisch für Moorseen ist außerdem, dass sich das dunkle Wasser im Sommer relativ schnell erwärmt. Entsprechend beliebt ist der Kirchsee zum Baden.

Für uns muss es allerdings gar nicht immer die große Badeaktion sein. Manchmal reicht es, am Steg zu sitzen, auf das Wasser zu schauen und eine Weile einfach nichts zu tun.

Die weniger romantische Seite der Mooridylle

Ganz ohne Nebenwirkungen bekommt man die Naturidylle allerdings nicht. Gerade am Abend können am Kirchsee Moskitos und Bremsen ausgesprochen aktiv werden – und „ausgesprochen aktiv“ ist wahrscheinlich die höfliche Formulierung.

Wenn man entspannt am Steg sitzt und alle paar Sekunden irgendwo nach sich schlagen muss, bekommt das romantische Naturerlebnis kurzfristig eine etwas andere Qualität. Aber auch das gehört zum Kirchsee. Wo Moor, Wasser und viel Natur sind, leben eben nicht nur Enten und Libellen. Wenn es zu nervig wird, kann man schließlich zusammenpacken und Richtung Reutberg weiterziehen.

Eine Landschaft unter besonderem Schutz

Dass der Kirchsee heute noch so naturnah wirkt, ist kein Zufall. Bereits 1940 wurden Kirchsee sowie Ellbach- und Kirchseemoor unter Naturschutz gestellt. Damit gehört das Gebiet zu den älteren Naturschutzgebieten Bayerns. Viele Uferbereiche dürfen deshalb nicht betreten werden. Baden ist nur an den dafür vorgesehenen Stellen erlaubt. Diese Regeln tragen dazu bei, dass die Moorlandschaft bis heute ihren besonderen Charakter behalten hat.

Vom Kirchsee zum Reutberg – unsere Lieblingskombination

Für uns gehören beide Orte zusammen. Am Kirchsee kann man spazieren gehen, baden oder einfach am Steg sitzen. Danach sind es nur wenige Minuten hinauf zum Reutberg. Dort wartet eine völlig andere Atmosphäre: Klosterkirche, alte Mauern, Kastanien, Bräustüberl und bayerische Küche. Aus einem kleinen Ausflug werden so schnell mehrere schöne Stunden.

Und wenn man die Geschichte des Reutbergs kennt, schaut man dabei wahrscheinlich etwas genauer hin. Die Kirche ist nicht einfach nur eine hübsche Barockkirche, die Brauerei nicht einfach irgendeine regionale Biermarke und hinter den Klostermauern verbirgt sich weit mehr, als man von außen vermuten würde.

Ein Ort mit erstaunlich vielen Geschichten

Vielleicht ist das das Faszinierende am Reutberg. Auf den ersten Blick ist es eines dieser klassischen oberbayerischen Postkartenmotive: Kloster, Kirchturm, Biergarten, Moorlandschaft und Berge. Doch hinter dem schönen Bild liegen mehr als vier Jahrhunderte Geschichte.

Eine italienische Hochzeitsreise führt zur Gründung eines Wallfahrtsorts. Aus sechs geplanten Schwestern entsteht ein Kloster, das Krieg und Säkularisation überlebt. Die Nonnen betreiben Apotheke, Schule und Brauerei, später sichern Bürger und Bauern die Brautradition in einer Genossenschaft. Und selbst in unserer Zeit war der Fortbestand des Klosters noch einmal keineswegs selbstverständlich. Nur wenige Minuten entfernt liegt mit dem Kirchsee gleichzeitig einer der schönsten Moorseen der Region.

Für uns ist die Kombination ziemlich perfekt: erst spazieren oder am Steg entspannen, anschließend hinauf zum Reutberg, etwas Gutes essen und den Tag ausklingen lassen.

Und wenn dabei ein paar Moskitos oder Wespen meinen, unbedingt dazugehören zu müssen – geschenkt. Diese kleine Randerscheinung nehmen wir gerne in Kauf, wenn wir dafür den Rest genießen können.

Kloster Reutberg
Ausblick Kloster Reutberg