
Man kennt die Szene: Eine kurvige Landstraße irgendwo im Oberland, ein Motorrad kommt entgegen – und schon wandert die linke Hand lässig nach unten.
Der Biker-Gruß.
Unter Motorradfahrern gehört er fast selbstverständlich dazu. Ein kurzes Zeichen, kaum mehr als eine Sekunde: Servus. Gute Fahrt. Wir gehören irgendwie zur selben Truppe.
Und wir Vespafahrer?
Nun ja.
Da wird manchmal gegrüßt. Manchmal freundlich genickt. Manchmal gar nichts gemacht. Und gelegentlich hebt man begeistert die Hand – nur um vom entgegenkommenden Vespista vollkommen regungslos angeschaut zu werden.
Dabei gibt es ihn durchaus:
den Vespa-Gruß.
Zwei Finger, ein gemeinsames Lebensgefühl
Ähnlich wie Motorradfahrer grüßen sich auch manche Vespisti unterwegs mit der linken Hand. Häufig werden dabei zwei Finger ausgestreckt, sinngemäß als Zeichen für die zwei Räder, die uns tragen.
Eine streng vorgeschriebene Vespa-Grußordnung gibt es natürlich nicht. Zum Glück.
Mal gehen zwei Finger nach unten, mal kommt ein lockeres Handzeichen, manchmal genügt ein kurzes Nicken.
Das Problem ist nur:
Viele Vespafahrer wissen gar nicht, dass man sich grüßt.
Vielleicht liegt es daran, dass die Vespa-Welt unglaublich bunt ist. Da gibt es leidenschaftliche Vespisti, die jede Schraube ihrer PX kennen, neben Menschen, die einfach mit ihrer Primavera zum Café fahren. Alte Zweitakter treffen auf moderne GTS, 50 Kubik auf 300 – und manche sitzen seit 30 Jahren auf einer Vespa, während andere ihre erste gerade gestern beim Händler abgeholt haben.
Eine eingeschworene Gemeinschaft mit festen Ritualen ist daraus nie ganz geworden.
Vielleicht macht gerade das ihren Charme aus.
Und was ist mit den Bikern?
Hier wird es interessant.
Denn wer mit der Vespa über Land fährt, stellt irgendwann fest: Manche Motorradfahrer grüßen uns – andere nicht.
Besonders auf einer größeren Vespa passiert es regelmäßig: Von Weitem erkennt der entgegenkommende Biker offenbar nur Scheinwerfer, Helm und zwei Räder.
Die linke Hand geht raus.
Dann kommt die Vespa näher.
Ob der Gruß in diesem Moment manchmal schon bereut wird, lässt sich leider nicht mehr feststellen.
Wir grüßen trotzdem zurück.
Natürlich.
Motorrad oder Roller – ist das wirklich so wichtig?
Zugegeben: Zwischen Bikern und Rollerfahrern gibt es seit jeher eine gewisse freundschaftliche Distanz.
Die einen sprechen über Drehmoment, Schräglage und Fahrwerke.
Die anderen darüber, wo man den besten Espresso bekommt und ob unter die Sitzbank noch eine Regenjacke passt.
Das sind selbstverständlich völlig übertriebene Klischees.
Also zumindest teilweise.
Denn wenn man genauer hinschaut, haben Motorradfahrer und Vespisti ziemlich viel gemeinsam.
Wir fahren freiwillig Umwege.
Wir kennen Straßen, die kein vernünftiges Navi vorschlagen würde.
Wir halten an Aussichtspunkten, obwohl wir dort schon zehnmal waren.
Wir diskutieren über Reifen, Zubehör und Dinge, von denen Außenstehende nicht verstehen, warum man dafür überhaupt Geld ausgeben kann.
Und vor allem:
Wir fahren nicht nur, um irgendwo anzukommen.
Wir fahren, weil der Weg selbst der Grund ist.
Vielleicht sollten wir einfach großzügiger grüßen
Deshalb unser Vorschlag für den Isarwinkel:
Wenn euch eine Vespa entgegenkommt – grüßt einfach.
Zwei Finger raus. Hand heben. Nicken. Ganz egal.
Und wenn ein Motorradfahrer grüßt?
Zurückgrüßen.
Selbstverständlich auch dann, wenn wir den leisen Verdacht haben, dass er uns im ersten Moment für eine Ducati gehalten hat.
Und falls jemand nicht zurückgrüßt?
Auch egal.
Vielleicht hat er den Vespa-Gruß noch nie gesehen. Vielleicht war er gerade mit der nächsten Kurve beschäftigt. Oder vielleicht gehört er einfach zu den Menschen, die grundsätzlich nicht grüßen.
Wir versuchen es beim nächsten trotzdem wieder.
Denn am Ende verbindet uns auf den Straßen zwischen Isar, Sylvenstein und Tegernsee mehr, als uns trennt:
zwei Räder, eine schöne Straße und das Gefühl, gerade genau richtig unterwegs zu sein.
Also: Wenn wir uns sehen –
zwei Finger raus und Servus! 🛵✌️
Und jetzt mal Hand aufs Herz: Grüßt ihr andere Vespisti? Und wie sind eure Erfahrungen mit Motorradfahrern – wird eure Vespa gegrüßt oder konsequent ignoriert?