
Die Bohmerhofstuben in Wackersberg sind eigentlich kein Restaurant, bei dem man wegen spektakulärer Architektur oder einer jahrhundertealten Wirtshausgeschichte stehen bleibt. Das Lokal gehört zum Gut Bohmerhof, einer großen Reitsportanlage im Wackersberger Ortsteil Burgern, und wirkt auf den ersten Blick eher unspektakulär. Wir fahren trotzdem ausgesprochen gerne hin. Das liegt am guten Essen, an den fairen Preisen und vor allem an zwei Dingen, die man auf keiner Speisekarte findet: diesem wunderbaren Ausblick und der Herzlichkeit der Pächterfamilie.
Eigentlich kommt man auf einen Reiterhof
Schon die Anfahrt macht deutlich, dass man hier nicht bei einem klassischen Ausflugsgasthof landet. Gut Bohmerhof ist eine große Reitsportanlage mit Stallungen, Reithallen, Reitplätzen, Weiden und allem, was zu einem professionell betriebenen Pferdehof gehört. Das sorgt gleichzeitig für eine Atmosphäre, die wir gerne mögen. Während man beim Essen sitzt, ist rundherum immer etwas los. Pferde werden bewegt, Reiter kommen und gehen, auf den Plätzen wird trainiert und auf den Weiden stehen die Tiere.
Man muss selbst überhaupt nichts mit Reitsport zu tun haben, um gerne zuzuschauen. Gerade weil das alles zum normalen Alltag des Hofes gehört und nicht als touristische Attraktion inszeniert wird, hat es seinen Reiz.
Der Balkon ist eigentlich viel zu schmal – und trotzdem unser Lieblingsplatz
Bei schönem Wetter gibt es auch einen kleinen Biergarten. Dort sitzt man durchaus gemütlich und hat mehr Platz. Wir versuchen trotzdem am liebsten, einen Platz auf dem Balkon zu bekommen.
Der ist nämlich ziemlich schmal. Die Sitzplätze ziehen sich an der Brüstung entlang, und ein wenig fühlt man sich dort tatsächlich wie die Hühner auf der Stange. Normalerweise wäre das vielleicht kein Argument für einen Lieblingsplatz – hier schon. Denn sobald man sitzt und nach draußen schaut, spielt die Breite des Balkons keine große Rolle mehr.
Vor einem liegen grüne Wiesen und Weiden, dahinter öffnet sich die Landschaft Richtung Tölzer Berge. In der näheren Kulisse liegen die Höhen rund um Heiglkopf und Zwiesel, weiter südlich zieht sich das Panorama Richtung Brauneck, Latschenkopf und Achselköpfe bis zur markanten Benediktenwand. Bei klarer Sicht reicht der Blick noch weiter hinein in die Bergwelt Richtung Karwendel.
Gerade dieser Übergang macht den Ausblick für uns so besonders: direkt vor einem Pferde und weite Wiesen, dahinter immer höhere Berge. Je nach Wetter und Licht verändert sich das Panorama ständig, und gleichzeitig kann man das Geschehen rund um den Reiterhof beobachten. Man sitzt ein wenig erhöht über dem Hof und bekommt fast nebenbei eine dieser typischen Wackersberger Aussichten, für die wir so gerne in der Gegend unterwegs sind.
Für uns ist das der eigentliche Star der Bohmerhofstuben.
Gutes Essen ohne großes Tamtam
Zum Glück müsste man für den Ausblick nicht über schlechtes Essen hinwegsehen. Ganz im Gegenteil. Wir essen dort sehr gerne. Die Küche ist unkompliziert, die Auswahl ordentlich und bislang hat es uns immer geschmeckt. Auch die Preise empfinden wir als passend.
Das gefällt uns an solchen Restaurants ohnehin: Man muss aus einem Besuch kein besonderes Ereignis machen. Man fährt hin, setzt sich auf den Balkon, bestellt etwas Gutes und genießt den Abend. Vielleicht schaut man nebenbei den Pferden zu, irgendwo wird noch gearbeitet oder trainiert, und vor einem liegen Wiesen und Berge. Mehr braucht es manchmal gar nicht.
Und dann standen wir am Ruhetag vor der Tür
Was die Bohmerhofstuben für uns aber wirklich besonders macht, ist eine Geschichte, die wahrscheinlich mehr über die Pächterfamilie erzählt als jede Bewertung im Internet.
Wir waren irgendwann schon oft genug dort gewesen, dass man uns kannte. Eines Tages fuhren wir wieder hin – und hatten schlicht vergessen, dass Ruhetag war. Eigentlich wäre die Geschichte damit schnell zu Ende gewesen: geschlossen, Pech gehabt, wieder heimfahren.
Nur lief es anders.
Die Pächterfamilie war selbst da und saß mit Freunden beziehungsweise Bekannten beim Essen. Statt uns freundlich darauf hinzuweisen, dass heute geschlossen sei, wurden wir kurzerhand eingeladen, uns dazuzusetzen und mitzuessen. Plötzlich saßen wir also an einem Ruhetag nicht als Restaurantgäste, sondern irgendwie mit beim privaten Essen der Familie.
So etwas haben wir in einem Restaurant vorher noch nicht erlebt.
Gastfreundschaft, die man nicht bestellen kann
Natürlich ist so eine Einladung nichts, was man bei einem Besuch erwarten kann oder sollte. Gerade deshalb ist uns die Situation so in Erinnerung geblieben. Sie zeigt für uns einfach, welche Atmosphäre dort herrscht.
Freundlichkeit im Service gehört eigentlich zu jedem guten Restaurant. Aber jemanden, der versehentlich am Ruhetag auftaucht, spontan mit an den eigenen Tisch zu holen, geht ein gutes Stück darüber hinaus. Wir hatten uns vorher schon wohlgefühlt. Spätestens danach hatten wir endgültig das Gefühl, dort nicht einfach irgendein anonymer Gast zu sein.
Vielleicht sind wir inzwischen tatsächlich ein bisschen Stammgäste geworden.
Der Biergarten ist schön – wir nehmen trotzdem den Balkon
An warmen Tagen hat der kleine Biergarten natürlich ebenfalls seinen Reiz. Wer lieber etwas großzügiger sitzt oder mit mehreren Leuten kommt, ist dort wahrscheinlich sogar besser aufgehoben. Wir schauen trotzdem zuerst nach oben.
Wenn auf dem Balkon noch etwas frei ist, nehmen wir lieber den schmaleren Platz und dafür das Panorama. Dann sitzen wir eben wieder nebeneinander wie die Hühner auf der Stange. Für den Blick kann man das problemlos in Kauf nehmen.
Denn während unten der Alltag des Reiterhofs weiterläuft, schaut man hinaus über die Weiden zu Heiglkopf, Zwiesel und weiter in die Bergkette Richtung Brauneck und Benediktenwand. Gerade am späteren Nachmittag oder Abend, wenn das Licht über den Wiesen und Bergen weicher wird, kann das richtig schön sein.
Vielleicht gerade deshalb ein Lieblingsziel
Die Bohmerhofstuben müssen für uns gar nicht spektakulär sein. Es gibt keine große Sehenswürdigkeit, wegen der man unbedingt hinfahren müsste. Auch der Reiterhof ist für uns eher Teil der Atmosphäre als eigentliches Ausflugsziel.
Es ist die Kombination, die den Ort besonders macht: leckeres Essen, faire Preise, Pferde und Reitbetrieb vor der Tür, der kleine Biergarten und vor allem dieser schmale Balkon mit seinem großartigen Blick über Wiesen und Berge. Und dann ist da noch eine Pächterfamilie, bei der wir einmal versehentlich am Ruhetag vor der Tür standen – und anschließend plötzlich mit ihr und ihren Freunden beim Essen saßen.
Solche Geschichten lassen sich nicht planen. Aber sie sind wahrscheinlich der beste Grund dafür, warum aus einem Restaurant, das auf den ersten Blick gar nicht besonders spektakulär wirkt, irgendwann ein Ort wird, zu dem man immer wieder gerne zurückkommt.
