vom stillen Klostergarten zur grünen Bühne von Bad Tölz

Franziskanergarten und Rosengarten

fast 400 Jahre Klostergeschichte mit Rosen, „Champagnerluft“ und lebendigem Stadtleben – von stillen Gartentagen bis zu Rosentagen, Konzerten und Spieletag.

Franziskanergarten und Rosengarten

Den Franziskanergarten und den angrenzenden Rosengarten kennen wir vor allem durch Veranstaltungen. Besonders die Tölzer Rosen- und Gartentage haben uns schon öfter hierhergeführt. Dann ist von der sonstigen Ruhe wenig zu spüren: Überall stehen Pflanzen, Rosen, Gartenmöbel, Kunsthandwerk und kulinarische Angebote, zwischen den alten Bäumen schlendern Besucher von Stand zu Stand und das gesamte Gelände rund um das ehemalige Franziskanerkloster wird zu einem großen Gartenfestival.

Gerade diese Kulisse macht für uns einen großen Teil des Reizes aus. Denn außerhalb solcher Veranstaltungen sieht es hier völlig anders aus. Dann sind Franziskaner- und Rosengarten ruhige grüne Bereiche zwischen Altstadt und Badeteil, mit altem Baumbestand, Rasenflächen, Beeten, Springbrunnen, Fischteich und schattigen Plätzen unter Glyzinien. Und wenn man sich mit der Geschichte beschäftigt, versteht man auch, warum ausgerechnet Rosen hier eine besondere Rolle spielen.

Fast 400 Jahre Franziskaner in Bad Tölz

Die Geschichte beginnt im frühen 17. Jahrhundert. Nachdem der Friedhof rund um die Stadtpfarrkirche zu klein geworden war, wurde ab 1617 auf der anderen Isarseite ein neues Gräberfeld angelegt. 1618 entstand dort eine Friedhofskapelle. Wenige Jahre später kamen die Franziskaner nach Tölz: 1624 wurde der Grundstein für das Kloster gelegt, bereits 1626 waren die Klostergebäude fertig. Zunächst diente die vorhandene Friedhofskapelle als Klosterkirche.

Die Franziskaner blieben erstaunliche 384 Jahre in Bad Tölz. Erst 2008 wurde das Kloster geschlossen. Die Ordensleute hatten über Jahrhunderte eine wichtige seelsorgerische Funktion, unter anderem als Beichtväter und später in der Betreuung von Kranken und Kurgästen. Das ehemalige Kloster wird heute vor allem von der Caritas genutzt.

Die ersten Brüder hinterließen offenbar aber nicht nur geistliche Spuren. Sie kamen aus Italien und brachten nach Angaben der Stadt auch Obstsorten und verschiedene Rosenarten mit. Einige der alten Obstsorten sollen sich bis heute im Franziskanergarten erhalten haben. Dass ausgerechnet hier später die Tölzer Rosen- und Gartentage entstanden, bekommt dadurch eine schöne historische Verbindung.

Eine Barockkirche, die absichtlich nicht protzt

Die heutige Franziskanerkirche entstand erst 1733 bis 1735, nachdem die alte und bereits verlängerte Kapelle für die Gemeinde zu klein geworden war. Wer nach anderen üppig ausgestatteten Tölzer Barockkirchen eine ähnliche Pracht erwartet, dürfte sich zunächst wundern.

Die Franziskanerkirche ist ausgesprochen zurückhaltend gestaltet. Das ist kein Zeichen fehlender Mittel, sondern Ausdruck des franziskanischen Armutsideals. Es gibt keinen großen Kirchturm, sondern lediglich einen Dachreiter. Im Inneren fehlen die sonst für bayerische Barockkirchen typischen üppigen Stuckdekorationen und großen Deckenfresken. Dafür besitzt die Kirche hochwertige Intarsienaltäre mit marmorierten Säulen, die aus der ehemaligen Klosterwerkstatt stammen.

Franziskanerkirche Bad Tölz

Gerade diese Schlichtheit passt für uns gut zu den Gärten. Kirche und Park konkurrieren nicht miteinander. Außerhalb der Veranstaltungstage wirkt das gesamte Ensemble eher ruhig und zurückhaltend.

Rosen, alte Bäume und ein Fischteich

Der heutige Franziskanerpark und der angrenzende Rosengarten gehören zusammen, wirken aber ein wenig unterschiedlich. Zwischen alten Bäumen finden sich große Rasenflächen und bepflanzte Beete, dazu Springbrunnen, Fischteich und Sitzbänke. Unter den Glyzinien lässt es sich gerade an heißen Sommertagen angenehm sitzen.

Im Rosengarten gibt es außerdem eine Besonderheit, an der man leicht vorbeigeht: das Tölzer Labyrinth. Es wurde 2016 vom Tölzer Künstler Marco Paulo initiiert und orientiert sich am berühmten Labyrinth der Kathedrale von Chartres. Mit 16,4 Metern Durchmesser ist die Tölzer Variante sogar größer. Gedacht ist es nicht als Irrgarten, sondern als Weg zur Mitte – für Besinnung, Meditation oder einfach eine kleine Pause. Seine Ausrichtung orientiert sich ausgerechnet am Kalvarienberg.

Damit treffen an diesem kleinen Fleck Tölz inzwischen ziemlich viele Geschichten aufeinander.

Und dann wäre da noch die Tölzer „Champagnerluft“

Bei einer Stadtführung wurden wir irgendwann auf eine weitere Tölzer Besonderheit aufmerksam gemacht: die berühmte „Champagnerluft“. Und natürlich kam dabei auch die Frage, ob wir sie denn riechen könnten. Wir haben uns Mühe gegeben. 😉

Nach Champagner riecht sie natürlich nicht. Der Begriff steht vielmehr für das Tölzer Heilklima mit vergleichsweise sauberer, schadstoff- und feinstaubarmer Luft, gemäßigten Temperaturen und den typischen Berg- und Talwinden des Alpenvorlands. Seit 1969 ist Bad Tölz als heilklimatischer Kurort anerkannt.

Ob man die Champagnerluft nun tatsächlich spürt, ist schwer zu sagen. Aber der Franziskanergarten ist wahrscheinlich kein schlechter Ort, um es auszuprobieren. Zwischen alten Bäumen, Rosen und viel Grün sitzt man mitten in der Stadt und kann trotzdem ein wenig Abstand vom Trubel bekommen.

Seit dieser Stadtführung müssen wir jedenfalls jedes Mal ein bisschen schmunzeln, wenn irgendwo wieder von der Tölzer Champagnerluft die Rede ist.

Ob wir sie bei einer Blindverkostung erkennen würden? Vermutlich eher nicht.

Und dann kommen die Rosentage

An Pfingsten ist es mit der Beschaulichkeit erst einmal vorbei. Die Tölzer Rosen- und Gartentage gehören inzwischen zu den großen regelmäßigen Veranstaltungen der Stadt. Rund 175 bis 180 Aussteller verteilen sich dann auf die historischen Klostergärten und den Franziskanerpark. Angeboten werden längst nicht nur Rosen und Pflanzen, sondern auch Gartenaccessoires, Kunsthandwerk, Kleidung, Schmuck und jede Menge Essen und Getränke.

Wir gehen gerne hin und mögen gerade die besondere Atmosphäre in den alten Gärten. Einen kleinen Kritikpunkt haben wir allerdings beim Eintritt. Sieben Euro fanden wir bereits recht ambitioniert für eine Veranstaltung, bei der ein erheblicher Teil des Angebots letztlich aus Verkaufsständen besteht. Inzwischen lag der reguläre Tagespreis sogar bei acht Euro.

Natürlich bekommt man dafür zusätzlich ein Rahmenprogramm mit Musik, Vorträgen und Aktionen. Trotzdem bleibt bei uns ein bisschen das Gefühl: Man bezahlt Eintritt, um anschließend möglicherweise noch Pflanzen, Deko oder andere Dinge zu kaufen.

Das hält uns nicht vom Besuch ab. Aber ein bisschen darüber grummeln darf man schon.

Vom Ort der Stille zur Spielwiese

Die Rosentage sind längst nicht die einzige Gelegenheit, bei der die alten Gärten lebendig werden. Seit einigen Jahren findet hier beispielsweise der Tölzer Spieletag statt. Dabei verwandeln sich die Grünflächen in eine große Spielwiese mit Gesellschafts- und Bewegungsspielen, XXL-Spielen, Schach, Tanz, Geschicklichkeit und weiteren Aktionen für Kinder, Jugendliche und Familien. Teilweise wird der Spieletag mit „Lebendiges Tölz“ verbunden, sodass anschließend noch Musik und Bewirtung bis in den Abend folgen.

Auch Musik passt erstaunlich gut in den Garten. Der Tölzer Summer Sound nutzt die Anlage für Open-Air-Konzerte, und mit dem SOUND.FEST.TÖLZ kam inzwischen ein weiteres mehrtägiges Musikformat hinzu. Dazu gibt es immer wieder wechselnde Veranstaltungen: In der Vergangenheit wurde der Franziskanergarten etwa für ein FoodArt-Festival genutzt, 2026 kam erstmals eine „Weinreise“ mit Wein, Essen und Musik hinzu.

Gerade dieser Wechsel gefällt uns. Die Gärten sind nicht dauerhaft Eventfläche, sondern können zwischendurch immer wieder das sein, was sie ursprünglich waren: ein ruhiger grüner Rückzugsort.

Von der Geistermesse bis zur Jahreskrippe

Direkt neben der Franziskanerkirche lohnt sich ein Blick in die Tölzer Krippenausstellung. Dort wird die besondere Krippentradition der Stadt lebendig: liebevoll gestaltete Szenen, historische Figuren und ganze Miniaturlandschaften erzählen die Weihnachtsgeschichte auf typisch oberbayerische Art. Gerade in der Advents- und Weihnachtszeit ist die Ausstellung eine schöne Ergänzung zu einem Spaziergang durch Bad Tölz.

Franziskanergarten und Rosengarten

Und dann gibt es noch eine deutlich geheimnisvollere Seite der Überlieferung: In der Franziskanerkirche soll sich nach einer alten Tölzer Sage eine Geistermesse abgespielt haben. Die Geschichte ist so fest mit dem Ort verbunden, dass sie bis heute Bestandteil von Stadtführungen durch das sagenhafte Tölz ist.

Damit hat selbst diese auf den ersten Blick so schlichte Kirche ihre etwas unheimliche Geschichte.

Ein Garten mit vielen Gesichtern

Vielleicht ist genau das für uns das Interessante an diesem Areal. Wir kennen es nicht nur in einer einzigen Form.

Bei den Rosentagen sind die Wege voll, überall stehen Blumen, Pflanzen und Verkaufsstände, es wird gegessen, geschaut und eingekauft. Bei Konzerten wird der Garten zur Freiluftbühne, beim Spieletag zur großen Spielwiese. An einem ganz normalen Tag kann man dagegen fast vergessen, dass man mitten in Bad Tölz ist, sich auf eine Bank setzen und unter alten Bäumen eine Weile Ruhe haben.

Direkt daneben steht eine Kirche, deren Geschichte bis zu einer Friedhofskapelle von 1618 zurückreicht und die zusammen mit dem ehemaligen Kloster fast vier Jahrhunderte Franziskanergeschichte erzählt. Die ersten italienischen Franziskaner sollen Rosen mit nach Tölz gebracht haben, und heute kommen an Pfingsten Tausende Menschen wegen der Rosen- und Gartentage in ihre ehemaligen Gärten.

Und irgendwo dazwischen atmen wir natürlich ganz bewusst noch einmal tief ein.

Man weiß ja nie – vielleicht erwischen wir irgendwann doch noch einen besonders guten Jahrgang der Tölzer Champagnerluft.

Friedhof Franziskanerkloster