Fast täglich fahren wir auf dem Weg zur Arbeit am Bergwacht-Zentrum am Tölzer Sportpark vorbei. Von außen sieht man vor allem eine große moderne Halle, gelegentlich bewegt sich darin etwas, manchmal hängen Seile oder technische Konstruktionen in der Anlage – und irgendwann wollten wir einfach wissen: Was passiert dort eigentlich?
Vorweg deshalb ein wichtiger Hinweis: Das Bergwacht-Zentrum für Sicherheit und Ausbildung ist kein öffentlich zugängliches Ausflugsziel. Es werden keine touristischen Führungen angeboten, und Besucher können die Trainingshalle nicht einfach besichtigen. Unser Beitrag soll deshalb ausdrücklich keine Besuchsempfehlung sein. Wir fanden vielmehr spannend, was sich hinter einem Gebäude verbirgt, an dem viele Tölzer wahrscheinlich regelmäßig vorbeifahren.
Und hinter diesen Hallentoren passiert tatsächlich einiges.
Ein Trainingszentrum für Situationen, die hoffentlich nie eintreten
Das Bergwacht-Zentrum für Sicherheit und Ausbildung ist eine hochspezialisierte Trainingsanlage für Berg-, Luft-, Höhen- und Wasserrettung. Hier üben Einsatzkräfte Situationen, bei denen draußen oft ein Hubschrauber, eine Seilbahn, schwieriges Gelände oder extremes Wetter im Spiel wäre.
Die Idee entstand Anfang der 2000er-Jahre. Gerade bei der Luftrettung stellte sich die Frage, wie man komplexe Abläufe mit Winde, Tau oder Seil regelmäßig trainieren kann, ohne jedes Mal einen echten Hubschrauber einsetzen zu müssen. Aus ersten Versuchsaufbauten entwickelte sich schließlich das Ausbildungszentrum in Bad Tölz, das seit Ende der 2000er-Jahre genutzt und mehrfach erweitert wurde.
Hubschrauberrettung – ohne dass ein Hubschrauber abheben muss
Einer der spannendsten Bereiche ist die Luftrettungssimulation. In der Halle lassen sich Rettungseinsätze mit Hubschrauberwinde, Tau und Seilsystemen unter kontrollierten Bedingungen nachstellen. Dadurch können Einsatzkräfte Abläufe immer wieder üben, Fehler besprechen und verschiedene Szenarien trainieren, ohne dass dafür ein echtes Luftfahrzeug starten muss.
Das klingt zunächst weniger spektakulär als ein Flug im Gebirge, ist für die Ausbildung aber enorm sinnvoll. Was später im Einsatz unter Zeitdruck und mit einem verletzten Menschen am Seil funktionieren muss, kann hier vorher so lange geübt werden, bis jeder Handgriff sitzt.
Rettung aus Gondeln und aus großer Höhe
Auch Seilbahnunfälle können simuliert werden. Dafür verfügt das Zentrum über entsprechende Konstruktionen, an denen das Bergen von Personen aus Gondeln oder Sesselliften trainiert wird.
Gerade solche Einsätze zeigen, warum ein spezielles Trainingszentrum überhaupt nötig ist. Eine Evakuierung in großer Höhe kann man nicht sinnvoll erst dann ausprobieren, wenn tatsächlich eine Seilbahn stillsteht. Die Retter müssen schon vorher genau wissen, wie Sicherung, Ablassen und Kommunikation funktionieren.
Ähnliches gilt für Rettungen aus Bäumen, von hohen Bauwerken oder aus anderen schwer erreichbaren Positionen.
Schlechtes Bergwetter auf Knopfdruck
Eine besonders ungewöhnliche Einrichtung ist der sogenannte Bergwetterraum. Dort können extreme Bedingungen künstlich erzeugt werden – mit Temperaturen bis etwa minus 20 Grad, Wind, Nebel und Niederschlag.
Das dient nicht nur dazu, Menschen frieren zu lassen. Einsatzkräfte können dort testen, wie sich Kleidung, Ausrüstung und Technik unter schwierigen Bedingungen verhalten. Vor allem lässt sich üben, wie gut bekannte Abläufe noch funktionieren, wenn Sicht, Kälte und Wind gleichzeitig zum Problem werden.
Im echten Einsatz kann sich schließlich niemand das Wetter aussuchen.
Wasserrettung mitten in Bad Tölz
Auch Wasser gehört zum Trainingsprogramm. In einem Becken können verschiedene Rettungssituationen geübt werden. Dazu gehören Bergungen aus dem Wasser ebenso wie technisch aufwendigere Szenarien. Selbst Einsätze mit Fahrzeugen im Wasser wurden dort bereits trainiert.
Das zeigt ganz gut, dass moderne Bergrettung längst nicht nur aus „jemanden vom Berg holen“ besteht. Luftrettung, Wasserrettung, Höhenrettung, technische Hilfe und Notfallmedizin greifen häufig ineinander.
Deshalb wird das Zentrum auch von unterschiedlichen Rettungsorganisationen und Einsatzkräften genutzt.
Klettern mit deutlich ernsterem Hintergrund
Natürlich gibt es auch Kletter- und Seilbereiche. Dabei geht es allerdings nicht um Sportklettern. Einsatzkräfte müssen lernen, Patienten zu sichern, medizinisches Material mitzunehmen, Seilsysteme aufzubauen und in Teams zu arbeiten.
Ein Fehler beim Freizeitklettern kann unangenehm sein. Ein Fehler bei einer Rettung in großer Höhe kann gravierende Folgen haben.
Genau deshalb ist das Training so intensiv.
Warum so eine Halle überhaupt wichtig ist
Das eigentlich Interessante an dem Zentrum ist vielleicht gar nicht eine einzelne technische Einrichtung, sondern das Prinzip dahinter: Es gibt einen Ort, an dem Fehler erlaubt sind.
Im echten Einsatz ist dafür kaum Platz. Dort sind Menschen verletzt, das Wetter kann schlecht sein, ein Hubschrauber wartet und Entscheidungen müssen schnell getroffen werden. Im Trainingszentrum kann dagegen gestoppt, erklärt und wiederholt werden.
Das gilt nicht nur für technische Abläufe. Auch Kommunikation, Zusammenarbeit und medizinische Versorgung werden trainiert. Denn die beste Ausrüstung hilft wenig, wenn ein Team im entscheidenden Moment nicht sauber zusammenarbeitet.
Von außen unscheinbar, innen hoch spezialisiert
Wir selbst haben keine Besichtigung geplant und brauchen sie eigentlich auch gar nicht. Uns hat schlicht interessiert, was hinter den Hallentoren passiert, an denen wir so oft vorbeifahren.
Seit wir das wissen, sehen wir das Gebäude ein bisschen anders.
Was von außen wie eine große Trainingshalle aussieht, ist tatsächlich ein Ort, an dem Einsatzkräfte auf Situationen vorbereitet werden, die draußen sehr schnell ernst werden können. Hubschrauberrettung, Seilbahnevakuierung, Kälte, Wind, Wasser und Arbeiten am Seil – all das kann dort unter kontrollierten Bedingungen trainiert werden.
Für uns ist das deshalb keine klassische Sehenswürdigkeit und auch kein Ort, den man einfach besuchen kann.
Aber es ist einer dieser Tölzer Orte, bei denen man plötzlich denkt: Interessant, was hier eigentlich alles passiert.
Und genau deshalb wollten wir ihn trotzdem vorstellen.
Hinweis
Das Bergwacht-Zentrum für Sicherheit und Ausbildung ist nicht öffentlich zugänglich und bietet keine touristischen Führungen oder regulären Besichtigungen an. Bitte von spontanen Besuchs- oder Führungsanfragen absehen. Der Beitrag dient ausschließlich dazu, die Funktion und Bedeutung des Zentrums vorzustellen.
