
Die Waldherralm haben wir eigentlich eher über einen kleinen Umweg kennengelernt. Als wir noch frisch nach Bad Tölz gezogen waren, lernte ich bei einem Stammtisch in Tölz den Koch der Waldherralm kennen. Natürlich macht so eine Bekanntschaft neugierig – und irgendwann wollten wir dann auch einmal ausprobieren, was er dort oben so auf die Teller zaubert.
Also sind wir hingefahren. Und wir sind seitdem immer wieder gerne dort.
Die Waldherralm liegt bei Wackersberg am Fuß der Tölzer Hausberge und ist dabei wunderbar unkompliziert zu erreichen. Man muss nicht erst zwei Stunden wandern, um sich eine Einkehr zu verdienen – mit der Vespa lässt sich praktisch bis vor die Tür fahren. Wer Bewegung möchte, kann von hier aus allerdings genauso gut zu einer kleinen Runde oder einer ausgewachsenen Bergtour starten.
Uns gefällt vor allem, dass das Gesamtpaket stimmt. Das Essen ist gut, die Preise empfinden wir als vernünftig und das Personal als freundlich. Die Speisekarte ist angenehm umfangreich: Man muss sich nicht auf eine Handvoll typischer Ausflugsgerichte beschränken, sondern findet eigentlich immer etwas, auf das man gerade Lust hat.
Besonders schön ist die Waldherralm für uns am späteren Nachmittag und frühen Abend.
Dann liegt die Alm selbst irgendwann schon im Schatten, während die Berge auf der gegenüberliegenden Seite noch von der Sonne angestrahlt werden. Vor einem liegt die Bergwelt rund um das Brauneck, weiter westlich ziehen sich Achselköpfe und Benediktenwand entlang des Horizonts, und bei klarer Sicht reicht der Blick noch weiter hinein in die Alpen.
Während es auf der Terrasse langsam kühler wird, leuchten die Berghänge gegenüber oft noch im warmen Abendlicht.
Das ist einer dieser Ausblicke, bei denen man gerne noch ein bisschen sitzen bleibt.
Und dabei steckt hinter der Waldherralm deutlich mehr Geschichte, als man zunächst vermuten würde. Die kleine Hütte neben dem heutigen Gasthaus ist nämlich keine nachträglich gebaute Dekoration im Almstil. Sie ist die eigentliche alte Waldherralm. Vor rund hundert Jahren begann dort die Geschichte des heutigen Ausflugsgasthofs.
Aus der kleinen Alm entwickelte sich über die Jahrzehnte die heutige Waldherralm mit Restaurant und großer Sonnenterrasse. Die alte Hütte blieb erhalten, wurde später aufwendig saniert und wird heute unter anderem für Feiern genutzt.
Auch die neuere Geschichte hat eine nette Anekdote zu bieten: Als Gabi Papesch sich 2008 um die Waldherralm bewarb, hatte sie ihren Mann Günther offenbar noch gar nicht in ihre Pläne eingeweiht. Erst anschließend erfuhr er davon – und machte mit. Gemeinsam entwickelten sie die Waldherralm weiter.
Von hier aus beginnt außerdem eine ganze Reihe schöner Wanderungen. Wer es sportlicher möchte, kann gleich drei der Tölzer Hausberge miteinander verbinden: Heiglkopf, Blomberg und Zwiesel. Die Runde führt von der Waldherralm hinauf zum Heiglkopf, weiter über den Blomberg und schließlich auf den 1.348 Meter hohen Zwiesel. Für die komplette Runde sollte man mehrere Stunden und etwas Kondition einplanen.
Besonders der Heiglkopf wird dabei gerne unterschätzt. Vom Gipfel öffnet sich ein weiter Blick ins Isartal mit Bad Tölz und Lenggries. Weiter oben am Zwiesel wird das Panorama noch einmal größer – mit Benediktenwand, Brauneck und der umliegenden Bergwelt.
Man muss aber keineswegs immer auf einen Gipfel.
Auch die Wackersberger Hochfläche rund um die Waldherralm eignet sich wunderbar für gemütlichere Spaziergänge und Wanderungen. Eine davon trägt sogar den Namen eines früheren Bundespräsidenten.
Auf den Spuren von Richard von Weizsäcker
Richard von Weizsäcker hatte eine enge persönliche Verbindung zu Wackersberg und verbrachte hier regelmäßig Zeit. Von der Gegend aus unternahm er zahlreiche Wanderungen.
Heute erinnert der Richard-von-Weizsäcker-Rundweg daran. Die Runde beginnt ebenfalls im Bereich der Waldherralm und führt durch die Wackersberger Landschaft, hinunter Richtung Isar und über Arzbach wieder zurück.
Auch das gefällt uns an der Waldherralm: Man kann einfach zum Essen kommen – oder sie zum Ausgangs- beziehungsweise Endpunkt eines ganzen Wandertages machen.
Eine idyllische Landschaft mit ziemlich dunkler Vergangenheit
Wer über die Wackersberger Hochfläche läuft, stößt in der Nähe außerdem auf die Pestkapelle.
Und hinter der friedlichen kleinen Kapelle steckt eine bedrückende Geschichte. In den Jahren 1634 und 1635 wurde Wackersberg während des Dreißigjährigen Krieges schwer von der Pest getroffen. Ein großer Teil der Bevölkerung starb.
Die Pesttoten wurden in einem Hügelgrab bestattet. Wenige Jahre später entstand dort die Pestkapelle. Nach lokaler Überlieferung sollen nur wenige Einwohner die Epidemie überlebt haben und aus Dankbarkeit den Bau der Kapelle gelobt haben.
Wenn man heute über die sonnigen Wiesen von Wackersberg läuft, lässt sich kaum vorstellen, welche Katastrophe sich hier einmal abgespielt hat.
Genau solche Geschichten machen die Gegend für uns zusätzlich interessant. Hinter der schönen Landschaft liegen immer wieder kleine Stücke regionaler Geschichte, die man leicht übersehen kann.
Von der kleinen Alm zum beliebten Ausflugsgasthof
Die Waldherralm ist heute streng genommen keine abgelegene Hochalm, zu der erst mühsam aufgestiegen werden muss. Vielmehr ist sie ein Ausflugsgasthof am Übergang zwischen der Wackersberger Hochfläche und den Tölzer Bergen.
Gerade das ist aber ein Teil ihres Reizes.
Man kann mit der Vespa hinfahren, sich auf die Terrasse setzen und gut essen. Man kann einen Spaziergang über die Wiesen daraus machen. Oder man stellt das Fahrzeug ab und verschwindet für mehrere Stunden auf Heiglkopf, Blomberg und Zwiesel.
Und wenn man zur richtigen Zeit zurückkommt, erlebt man vielleicht genau den Moment, den wir besonders mögen: Die Waldherralm liegt schon im Schatten, es wird langsam kühler – und gegenüber leuchten die Berge noch in der letzten Sonne.
Dann bestellt man vielleicht noch etwas, schaut eine Weile hinaus und denkt sich: Eigentlich ziemlich schön hier vor unserer Tölzer Haustür.


