Was es sonst zu berichten gibt

Zugroast – und trotzdem dahoam

Neulich habe ich in einer Community einen Link zu unserer Seite von Vespisti Isarwinkel geteilt und dazu eingeladen, ein wenig zu schmökern. Wir haben viel Zeit in die…

Neulich habe ich in einer Community einen Link zu unserer Seite von Vespisti Isarwinkel geteilt und dazu eingeladen, ein wenig zu schmökern. Wir haben viel Zeit in die Seite gesteckt: in Geschichten aus der Region, Ausflugsziele, Gastronomie, historische Hintergründe und natürlich in unsere Leidenschaft für die Vespa.

Die Reaktionen darauf waren zunächst ernüchternd. Es ging um die Sorge, dass ohnehin überlaufene Orte durch Beiträge und vermeintliche Geheimtipps noch stärker frequentiert werden könnten. Es ging um Umweltbelastung, um Lärm und darum, dass man die Gegend doch besser zu Fuß, mit dem Rad oder mit Bus und Bahn entdecken solle.

Das sind Gedanken, die man ernst nehmen darf und muss. Nicht jeder ruhige Ort muss zum nächsten Social-Media-Tipp werden. Es gibt sensible Plätze, die geschützt werden sollten. Und selbstverständlich ist es legitim, motorisierte Freizeitfahrten kritisch zu sehen. Wir werden bei unseren Beiträgen weiterhin darauf achten, keine stillen Ecken künstlich hochzujazzen oder den Eindruck zu vermitteln, man müsse möglichst viele Orte möglichst schnell „abhaken“.

Im Verlauf der Diskussion wurde aber deutlich: Es ging nicht nur um Vespas. Irgendwann stand die Frage im Raum, ob ausgerechnet „Vespa-Zuagroaste“ anderen die Welt erklären wollten.

Und genau da lohnt es sich, kurz stehen zu bleiben.

„Zugroast“ – oder „Zuagroast“ – nennt man im Bairischen Menschen, die nicht hier geboren wurden, sondern später in die Region gekommen sind. Das Wort kann liebevoll und scherzhaft gemeint sein. Es kann aber auch eine Grenze ziehen: hier die Einheimischen, dort die anderen.

Wir wollen niemandem die Welt erklären. Wir erzählen einfach von dem, was uns bewegt: von unserer Freude an der Vespa, von Begegnungen, von Landschaften, kleinen Geschichten und dem Leben im Isarwinkel. Wir behaupten nicht, die Region erfunden zu haben, und wir wollen auch niemandem erklären, wie man hier zu leben hat.

Aber wer hier lebt, sich für die Menschen und die Geschichte der Region interessiert, Rücksicht nimmt und sich einbringt, darf auch dazugehören. Heimat ist nicht allein eine Frage des Geburtsorts. Heimat wächst mit der Zeit – durch Respekt, Nachbarschaft, Engagement und das ehrliche Interesse an dem Ort, an dem man lebt.

Natürlich kann man über Vespas unterschiedlicher Meinung sein. Die einen fahren Rad, andere wandern, fahren Motorrad, Oldtimer, Wohnmobil oder E-Bike. Wir fahren Vespa. Das ist unser Hobby, und deshalb gehört es zu unserer Seite.

Für uns ist die Vespa aber nicht nur ein Freizeitfahrzeug. Sie ist auch eine sinnvolle Alternative oder Ergänzung zum Auto – gerade für kürzere Wege und Fahrten allein. Unsere GTS verfügt über aktuelle Motor- und Abgastechnik, ist leise und verbrauchsarm. Das ersetzt sicher nicht jeden Weg zu Fuß, mit dem Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Es kann aber in vielen Alltagssituationen eine praktische und vergleichsweise ressourcenschonende Art sein, unterwegs zu sein.

Zum Glück gab es auch andere, freundlichere Stimmen. Eine Zuschrift hat uns besonders gefreut: „Echt toll, die Homepage-Seite! Die Aufmachung, die Farben – so schön. Und die Vorschläge werde ich gerne annehmen.“ Vielleicht kam sie ebenfalls von einer Zugroasten, vielleicht auch nicht. Entscheidend ist etwas anderes: Sie zeigt, dass man mit Offenheit und Wertschätzung viel mehr erreicht als mit Abgrenzung.

Dabei wollen wir weder laut noch belehrend sein, sondern mit offenem Blick unterwegs sein.

Vielleicht ist das am Ende die einfachste Haltung: Man muss unsere Art der Freizeitgestaltung nicht mögen. Man muss auch unsere Beiträge nicht lesen. Aber unterschiedliche Interessen und unterschiedliche Lebenswege sollten in einer Nachbarschaft nebeneinander Platz haben.

Zugroast zu sein heißt nicht, für immer fremd zu bleiben. Man kann ankommen, sich einfügen und dahoam sein – ohne jemandem etwas wegzunehmen.